ARCHIV – Flamenco-Live-Events, Aufführungen, spanische Fiestas in 2014

BODA FLAMENCA – Aufführung zum Jahresende 2014 in La Fragua

Volles Haus, ausgelassene Stimmung, viel Freude und Begeisterung für Tanz: eine gelungene Flamenco-Aufführung in Tablao-Atmosphäre.

Titelfoto zur Aufführung "BODA FLAMENCA" beim Winterfest am 20.12.2014 im Tanzstudio La Fragua / Color-Foto by Boris de Bonn
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Termin: 20.12.14

Trotz Regen und kühler Au­ßentemperaturen fanden sich zum Jahresende viele Afi­cionados im Bonner Tanzstudio La Fragua ein und erlebten einen bewegenden Flamencoabend.

Neu für die Besucher: sie fanden im La Fragua-Tablao fast halb­kreisförmig angeordnete Sitz­reihen vor und waren so am Geschehen auf der Bühne noch näher dran als sonst. Im Schum­merlicht nahm man zunächst ein großes Ölgemälde vor einem roten Bühnenhintergrund wahr. Zwei alte Eichenholzfässer und Stühle, rechts und links am Bühnenrand, komplettierten das Bühnenbild zu Beginn der Aufführung.

Plötzlich Dunkelheit: Laute Donner-, Blitz- und Regengeräusche ertönten im Raum. Die ange­kündigte Inszenierung einer Boda flamenca, zu der man eine ungetrübte, fröhliche Stimmung erwartete, stand scheinbar unter keinem guten Zeichen. Sollte sich etwa ein „Drama“ abspielen und die Feier „ins Wasser“ fallen? Nein: denn so schnell wie das Unwetter aufzog war es vorbei und es tat der Feierlaune keinen Abbruch.

Eine ausgelassene Hochzeitsfeier unter Flamencos mit gezeigter Liebe, Leidenschaft, Freude, Gesang und Tanz nahm nun ihren Lauf. Nicht die Trauungszeremonie stand dabei im Vorder­grund sondern die Gefühlswelt, die Reaktionen der Beteiligten davor und danach.

Dem Anlaß gebührend wurden vor allem heitere Flamencostile, wie Tangos, Alegrías, Guajira und Bulerías gewählt. Begleitende Palmas und Live-Gesang einiger Tänzerinnen steigerten die Stimmung zusätzlich.

Geschickt wurden im Laufe des Abends klassische Utensilien einer Braut, beispielweise das Brautkleid, die Schuhe und der Ring in die Inszenierung eingebracht.

Die Protagonisten waren Schülerinnen von La Fragua, von Anfängern bis Fortgeschrittene. Engagiert und selbstbewußt füllten sie ihre zugedachten Rollen aus. Die Kleinen waren mit Sevillanas und Rumba eingebunden, tanzten mit den Großen und stellten Sequenzen einer Hochzeit nach. Mit einem galizischem Folkloretanz als Hochzeitstanz endete ihr Auftritt.

Rosa Martínez, Choreografin der gesamten Aufführung, sowie die neue Dozentin Indra durften nicht fehlen. Stilsicher, elegant und sehr präsent interpretierten sie ihre Solis.

Das größtenteils in fließenden Übergängen gestaltete Programm fand seinen Abschluß durch einen Hochzeitstanz von Renata und Leo. Die beiden Verliebten, die letztes Jahr tatsächlich heirateten, tanzten hingebungsvoll mit eingebauten Hebefiguren „ihren“ Fandango de Huelva, den Rosa Martínez bereits für diese Hochzeit choreografierte.

Am Ende dankten die begeisterten Zuschauer allen Akteuren mit viel Applaus für eine rundum gelungene Flamenco-Vorstellung.

LINK-TIPP:Fotos zu BODA FLAMENCA ›

Flamenco-Gastspiel „ReciclArte“

Cía. Ana Morales im tanzhaus nrw – Nachlese von Boris de Bonn

Deutsche Erstaufführung am 07. & 08.11.14

Flamencotänzerin Ana Morales in "ReciclArte" 2014 im tanzhaus nrw / Color-Foto by Boris de Bonn
Ana Morales 2014 im tanzhaus nrw … vergrößerbar!

Im Düsseldorfer tanzhaus nrw gab es wieder sehenswerten Flamenco mit namhaften spanischen Künstlern.

ReciclArte, gebildet aus den spani­schen Wörtern Reciclaje und Arte, ist eine Auseinandersetzung mit den Ge­gebenheiten und der Mentalität der heutigen Konsum- und Wegwerfge­sellschaft.

Recycling ist die Basis der Kreation. Mit Mitteln auch des zeitgenössischen Flamenco-Tanzes soll die soziale Be­wußtseinsbildung des Betrachters angeregt werden.

Entsprechend diesem Anspruch ver­wendete Ana Morales in dem Stück, das in vier Szenen unterteilt war, ver­schiedene Bühnenkleider unterschied­lichster Materialien wie Papier, Plas­tik, Metall, Sackleinen und Jute. Gezeigt wurden Interpretationen von Flamencostilen wie Rondeña, Soleá, Martinete und Bulerías. Eingebunden als Interpret zeitgenössischen Tanzes war Sergio Gonzáles.

Der preisgekrönte Sänger Miguel Ortega (u. a. Lámpara Minera), Jesús Guerrero (Gitarre) und Jorge Pérez (Perkussion) waren die musikalischen Begleiter, die auch in einzelnen Solis ihr Können dem Publikum offenbarten. Insgesamt eine sehr ansprechende sowie energiegeladene Aufführung, die ebenso in ihren stillen Momenten überzeugen konnte.

Ana Morales (*1982 in Barcelona) ist seit 14 Jahren Profitänzerin. Ihr Debüt gab sie 2000 in „Puntales“ von Antonio „El Pipa“ (Bienal de Sevilla). 2001 wurde sie Teil der Compañía Andaluza de Danza. Sie tanzte in Aufführungen wie „Encuentros“, „La Leyenda“ oder „Bodas de Sangre“. 2009 erhielt sie den bedeutsamen Tanzpreis „El Desplante“. 2010 präsentierte sie ihr erstes eigenes Stück „De Sandalia a Tacón“ beim Flamenco-Festival in Jerez.

ReciclArte wurde in der Ursprungsform 2012 bei der Bienal de Sevilla uraufgeführt. 2013 folgten in Spanien Präsentationen einer überarbeiteten Version. Im gleichen Jahr trat Ana Morales auch in Deutschland in „Respiro Flamenco“ im tanzhaus nrw auf.

Text & Fotos: © BdB/10.11.14

Bühnenaufführung – Span. Sommerfest 2014 in La Fragua

In Brasilien feierte man die Fußball-WM – Deutschland hoffte auf den WM-Titel –
La Fragua lud ein zum spanischen Sommerfest mit garantiert viel Flamenco.

Rosa Martínez spricht beim spanischen Sommerfest 2014 im Tanzstudio La Fragua einen Toast an das Publikum aus. / Color-Foto by Boris de Bonn
EIn "Toast" für eine gelungene Bühnenaufführung … vergrößerbar!

Termin: 28.06.14

Unbeschadet der laufenden Fußball-WM 2014 in Brasi­lien richtete das Tanzstudio La Fragua vor Beginn der Sommer­ferien sein traditionelles spani­sches Sommerfest mit viel Fla­menco und guter Stimmung aus.

Nicht nur bei der WM ging es heiß her und wurde bis dato viel ge­feiert.

Sicher und für alle Fußball-Fans beruhigend zu wissen war, dass Deutschland an diesem Sommer­tag kein WM-Spiel in der Grup­penphase bestreiten würde.

Klar war aber auch, dass den Gästen des spanischen Sommerfestes eine spannungs- wie stimmungsgeladene Fiesta mit viel Tanz und heißen Flamenco-Rhythmen geboten würde.
Aber nicht nur das: auch moderner Gallego-Tanz stand auf dem Abendprogramm.

Leider spielte an diesem Tag das Wetter nicht ganz mit, denn es regnete und regnete. Das schlechte Wetter tat der ausgelassenen Feierlaune jedoch keinen entscheidenden Abbruch. Trotz Regen, trotz vorzeitigem Ausscheiden Spaniens bei der Fußball-WM kamen mehr Gäste als erwartet.

Ob Groß oder Klein, ob Spanier oder Nicht-Spanier: man genoss das spanische Flair, begeis­terte sich für das gebotene, variantenreiche Abendprogramm. Man fand und unterhielt sich mit Freunden des Flamenco in gemütlicher Runde sowohl vor als auch nach den Aufführungen.

Gastgeberin Rosa Martínez leitete durch den Veranstaltungsabend in La Fragua. An dieser Stelle nochmals ihr Dank an alle Gäste, Akteure sowie Mitwirkende für deren Erscheinen und Engagement. Ein Toast auf eine gelungene spanische Fiesta de verano.

LINK-TIPP:Fotos zur Bühnenaufführung – Span. Sommerfest 2014 ›

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Flamenco-Bühnenstück ÉPOCA – Dt. Uraufführung in La Fragua

Titelfoto zum Famenco-Bühnenstück Época von/mit den Flamenco-Tänzerinnen Rosa Martínez & Simi / Colorkey-Foto by Boris de Bonn
Titelfoto zu Famenco-Bühnenstück ÉPOCA … vergrößerbar!

 

Am 17. Mai 2014 fand im Bonner Tanzstudio La Fragua für alle Flamenco- und Tanz­begeisterte eine sehr bewegende wie kreative Noche Flamenca statt.

Gegebener Anlass: die deutsche Uraufführung des neuen Flamenco-Bühnenstücks ÉPOCA von Rosa Martínez › und Simi.

Synopse: Alles ist miteinander verwoben, ist in Bewegung, verändert und entwickelt sich. Das Neue wurzelt immer im Alten, was auch den Flamenco kennzeichnet.
In dem Bühnenstück ÉPOCA führen die Flamenco-Tänzerinnen Rosa Martínez und Simi durch ein Jahrhundert der Flamenco-Kunst. Ausgehend von den letzten zwei Jahrzehnten des Goldenen Zeitalters Anfang des 20. Jahrhunderts, das die cafés cantantes und hervor­ragende Künstler hervorbrachte, führt das Stück über die jazzig, bunte Welt der 70er Jahre hinein in die heutige Zeit. Das Bühnenwerk stellt unterschiedliche Interpretations­formen des Flamenco dar, zeigt anschaulich Verbindungen und Entwicklungen dieser Kunstform auf. ÉPOCA ist facettenreich, verknüpt spannend und unterhaltsam Tradition mit Moderne, ist eine Hommage auf den Flamenco.

ÉPOCA: Ein bilderreiches Bühnenwerk für alle Tanzbegeisterte. Eine Zeitreise durch drei bewegte und prägende Epochen des Flamenco.

Resümee des Premiereabends: Stürmischer Applaus und viel Lob im Nachhinein von den Zuschauern des ideenreichen sowie anspruchsvollen Programms. In einer über 70 Minuten duernden Aufführung zeigten die beiden Protagonisten Rosa Martínez und Simi an diesem Abend ein komplexes Programm mit viel tänzerischem Vermögen, großartiger Bühnenpräsenz und mit zahlreichen Requisiten sowie einigem technischem Aufwand für die Inszenierung von ÉPOCA.

Wer diese einzigartige Flamenco-Aufführung an diesem Abend nicht erlebt hat, hat ein Stück spanischer Flamenco-Geschichte verpaßt.

LINK-TIPPS: • Color- & S/W-Fotos zur ÉPOCA-Uraufführung ›

 • Video-Trailer zu ÉPOCA ›

Flamenco-Festival Düsseldorf 2014 – tanzhaus nrw

Termin: 11.04.–21.04.14

Eine Nachlese von Boris de Bonn:

Das renommierte tanzhaus nrw in Düsseldorf öffnete wieder seine Pforten für Deutschlands bekanntestes Flamenco-Festival. Den Besucher erwartete ein bunt gemischtes Bühnen­programm (an 7 Spieltagen) mit dem Schwerpunkt zeitgenössischer Flamencotanz. Wie immer gab es auch ein breites Workshop-Angebot (an 6 Festivaltagen) vor allem für Tanz, aber auch für Gesang, Gitarre und Perkussion (Cajón). Die Workshops fanden insgesamt viel Zuspruch und waren entsprechend den Teilnehmerzahlen auch gut besucht.

Begeistertes Publikum beim Festivalauftakt

Eröffnet wurde das Festival am Freitag, dem 11.04.2014, mit einem Flamenco-Konzert, das bereits aufgrund der beteiligten Künstler viel versprach und am Ende auch hielt. Vor fast aus­verkauftem Haus wurde das Stück „Bartimene“, eine Fusion von Balkan-Klängen und Flamenco-Rhythmen aufgeführt. Mitwirkende waren die spanischen Künstler Arcángel (Gesang), Dani de Morón (Gitarre), Patricia Guerrero (Tanz), Augustin Diassera (Perkussion) und der bulgarische Jazz-Flötist Theodosii Spassov. Das Konzert war im Aufbau und Ablauf in üblicher Form struk­turiert: Eine Präsentation von verschiedenen Flamenco-Palos unter Beteiligung aller oder ein­zelner Künstler und zum Abschluss ein „Fin de Fiesta“ als Zugabe. Mehr oder weniger akzen­tuiert traten auch die bulgarischen Flötenklänge von Spassov in der Aufführung hervor.

Bemerkenswert die künstlerische Leistung der jungen, grazilen Tänzerin Patricia Guerrero, die gleich vier unterschiedliche Flamencotänze anbot, wobei die Interpretation und das jeweils neu gewählte Bühnen-Outfit einerseits traditonelle und andererseits eher moderne Züge aufwies. Wie schon 2012, als Patricia Guerrero mit einem anderen Ensemble im tanzhaus nrw gastierte, konnte die Tänzerin aus Granada das Publikum in ihren Bann ziehen. „Bartimene“ stand eben­falls für den zweiten Festivaltag auf dem Abendprogramm des tanzhaus nrw.

Von Flamenco, Mond, Mittelalter und Butoh

Die zweite Festivalwoche begann am Gründonnerstag mit der deutschen Erstaufführung des zeitgenössischen Flamenco-Tanztheaterstücks „Al Cante“ von Juan Carlos Lérida. Diesen viel­seitigen Künstler, der als Tänzer, Choreograf, Regisseur und Schauspieler tätig ist, konnte die langjährige Festival-Direktorin Dorothee Schackow schon mehrfach für das Düsseldorfer Fla­menco-Festival engagieren. Wie der Titel der Aufführung vielleicht nahelegte, war die Ausein­andersetzung mit der Flamenco-Gesangsstimme, der Mimik und Gestik eines Flamenco-Sängers sowie der Rolle des gesamten menschlichen Körpers für den Gesang die Essenz des Abends. Bei Léridas Analyse unterstützte ihn Niño de Elche, der die Hauptrolle des Sängers übernahm. Da der Mond im Flamenco-Gesang oftmals besungen wird, hob Lérida im Verlauf des Abends in einem Astronautenanzug gekleidet und mit aufgesetztem Helm von der Erde ab, um auf einer angedeuteten Mondlandschaft als Hauptbühnenbild der rund 75minütigen Inszenierung weiter zu agieren.

Obschon als zeitgenössisches Flamenco-Tanztheater angekündigt, wäre für das Stück „Al Cante“ die Bezeichnung „Flamenco-Gesangstheater“ wohl treffender gewesen, denn Flamenco-Tanz war nur rudimentär zu sehen.
Beim anschließenden Publikumsgespräch im Foyer des tanzhaus nrw gab Lérida seine feste Überzeugung kund, dass die in der Vorstellung anwesenden Zuschauer den Flamenco-Gesang zukünftig mit anderen Augen sehen werden.

Mit zeitgenössischem Flamenco-Tanztheater ging es dann von Karfreitag bis Ostermontag zunächst auf der großen Bühne des tanzhaus nrw weiter.

An zwei Abenden präsentierte Juan Kruz Díaz de Garaio Esnaola das bilderreiche Stück „Romances“, dessen Gegenstand romantische Literatur und Musik des spanischen Mittelalters waren. Als Akteure traten die spanischen Tänzer Rafael Estévez und Valeriano Paños sowie die Sängerin Sandra Carrasco auf. Insgesamt konnte die Dramaturgie des Stücks und die beteiligten Künstler gemäß der Zuschauerresonanz überzeugen.

Am Ostersonntag zeigte die Tänzerin Sònia Sánchez - ebenso in deutscher Erstaufführung - ihr 20minütiges Soloprogramm „El Pliegue“ im kleinen Saal des tanzhaus nrw. An selber Stelle folgte am letzten Festivaltag die Werkschau des Intensiv-Workshops „Cuerpos del cante“ mit 14 Teilnehmerinnen unter der Leitung von Carlos Lérida und Niño de Elche.

Zusammen mit den Künstlern El Londro (Gesang) und David Soler (E-Gitarre) stellte Sònia Sánchez dann auf der großen Bühne noch „Le ça. El Ello“ vor, ein von Improvisation bestimm­tes Stück, das eine Verbindung von Flamencotanz mit japanischem Butoh, zu Deutsch „Tanz der Finsternis“, aufzeigen wollte. Während El Londro in klassischer Manier Flamenco sang, bewegte sich Sònia Sánchez mal schnell, mal sehr langsam und mit viel Bedacht im Raum. Sie tanzte kraftvoll zu eingespielten Soundeffekten sowie den Klängen der E-Gitarre von David Soler, dessen wirr anmutendes, teilweise überpegeltes Gitarrensolo bei einem insgesamt rund 50minütigen Programm einfach zu lang ausfiel.

Als letzter Festivalakt fand anschließend im Foyer des tanzhaus nrw noch ein Publikumsge­spräch mit Erläuterungen der beteiligten Künstlern statt.

Text: © BdB/23.04.14

Anmerkung: La Fragua-SchülerInnen bekamen 20% Nachlass auf die Konzert-Eintrittspreise sowie den ermäßigten Beitrag der angebotenen Workshops im tanzhaus nrw.